Fehlende Neutralität des Kreisheimatpflegers

06. Dezember 2020

Als Stadtrat, Kreisrat und vor allem als Antifaschist bin ich über die jüngsten Äußerungen und Taten unseres Kreisheimatpflegers Herrn Helmut Schmidbauer erschüttert. In einem Zeitungsartikel der Schongauer Nachrichten „Weg soll nach Nazi-Dichter benannt werden“ vom 04.12.2020 geht hervor, dass der Kreisheimatpfleger seinerzeit als Stadtrat den Namen Max-Dingler-Weg für diesen vorgeschlagen hat. Ob ihm damals schon von dessen Vergangenheit bekannt war oder nicht, lasse ich mal offen stehen. Tatsache ist aber, dass Herr Schmidbauer es im Jahr 2020 nicht für nötig hält, eine Namensänderung zu beantragen, obwohl er heute von der NS-Nähe des Schriftstellers weiß. Auf der anderen Seite hatte Herr Helmut Schmidbauer 2019 fast ein ganzes Jahr lang den Schongauer Stadtrat beschäftigt, weil er nicht wollte, dass ein bis dato unbenannter Platz in der Altstadt von Schongau Marie-Juchacz-Platz heißen soll. Die Gründe waren wenig nachvollziehbar. Schmidbauer hat hier parteipolitische Arbeit und Netzwerke genutzt, um zu verhindern, dass der Platz nach einer wichtigen deutschen Frauenrechtlerin benannt wird. Dies ist für mich ein mehr als widersprüchliches Verhalten und kann in keiner Weise toleriert werden. Als Kreisheimatpfleger sollte man auf solche Änderungen durchaus aufmerksam machen, dabei aber sachlich und vor allem neutral sein. Warum also hat Herr Schmidbauer gute Gründe gegen einen Marie-Juchacz-Platz, aber gute Gründe für einen Max-Dingler-Weg? Es ist ein Unding, Menschen mit Bezug zum NS-Regime ein solches Denkmal zu setzen. Der Weg muss zwingend einen neuen Namen bekommen. Schlussendlich muss der Kreisheimatpfleger mit seinem Gewissen ausmachen, welche Straßennamen er befürwortet. Auf jeden Fall sollte er aber überprüfen, inwieweit er politische Neutralität noch vertreten kann und ob sich fehlende Neutralität mit dem Amt des Kreisheimatpflegers vereinbaren lässt.

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